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Wer hat Kl gebaut und für wen?

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KI spiegelt die Welt wider, aber deren Ungleichheiten auch. Wer hat die Macht, diese Spiegel zu gestalten? Und wessen Realität bleibt unsichtbar?

Künstliche Intelligenz ist kein neutrales Werkzeug. Sie ist ein Produkt aus Daten, Algorithmen und Entscheidungen und diese sind alles andere als objektiv. Wenn du eine KI fragst, wie eine Führungskraft aussieht, wird sie dir wahrscheinlich ein Bild von einem weißen Mann zwischen 40 und 50 zeigen. Fragst du nach einer Pflegekraft, ist die Antwort mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Frau.

Das ist kein Zufall. Daten sind kein Abbild der Realität, sondern ein Abdruck der Machtverhältnisse, die diese Realität geprägt haben. Und genau hier setzt das erste Prinzip des Data Feminism an: Examine Power – Untersuche Macht.

Warum KI kein neutraler Akteur ist

KI-Systeme, insbesondere große Sprachmodelle (LLMs) wie die, die wir täglich nutzen, basieren auf Daten. Doch diese Daten werden nicht zufällig gesammelt. Sie entstehen durch Entscheidungen: wer sammelt, wer finanziert, wer definiert, was relevant ist.

Die Soziologin Patricia Hill Collins beschreibt Macht auf vier Ebenen:

  • Strukturell: Gesetze und Institutionen, die Rahmenbedingungen schaffen.
  • Disziplinär: Wie diese Gesetze im Alltag umgesetzt werden.
  • Hegemonial: Was unsere Kultur als „normal“ definiert (und wer dabei unsichtbar bleibt).
  • Zwischenmenschlich: Die persönlichen Erfahrungen, die wir in diesen Systemen machen.


KI operiert auf allen vier Ebenen gleichzeitig. Sie reproduziert strukturelle Ungleichheiten, wenn wir sie nicht aktiv hinterfragen.

Drei Fragen, die du dir bei jeder KI-Nutzung stellen solltest

1. Wer hat dieses System gebaut und wessen Erfahrungen fehlen?

Die meisten großen KI-Modelle wurden von weißen Männern aus dem globalen Norden entwickelt. Frauen, People of Color, Menschen mit Behinderungen oder aus dem globalen Süden sind in den Entwicklungsteams unterrepräsentiert. Das hat direkte Auswirkungen:

  • Beispiel Gesichtserkennung: Die Forscherin Joy Buolamwini testete eine Gesichtserkennungs-KI – und wurde nicht erkannt. Der Grund? Die Trainingsdaten bestanden zu 84 % aus weißen Gesichtern und zu 78 % aus männlichen Gesichtern. Erst mit einer weißen Maske funktionierte die Erkennung. Die Entwickler hatten das Problem schlicht nicht bemerkt – weil es sie nicht betraf.
  • Beispiel Medizin: Serena Williams hätte bei der Geburt ihrer Tochter fast ihr Leben verloren, weil medizinisches Personal ihre Schmerzangaben ignorierte. Schwarze Frauen in den USA sterben häufiger an schwangerschaftsbedingten Komplikationen – unabhängig von Bildung oder Einkommen. Ein Grund: Fehlende Daten. Wenn die Erfahrungen von schwarzen Frauen in medizinischen Studien nicht repräsentiert sind, werden ihre Symptome nicht erkannt.

2. Wessen Ziele zählen?

Daten werden nicht aus Altruismus gesammelt. Sie dienen einem Zweck und dieser Zweck wird von denen definiert, die die Ressourcen haben. Die Autorinnen Catherine D’Ignazio und Lauren Klein sprechen von den „drei S“ der Datenerhebung:

  • Science (Wissenschaft)
  • Surveillance (Überwachung)
  • Selling (Verkauf)


Für welchen dieser Zwecke wurden die Daten erhoben, die deine KI nutzt?
Und: Wessen Probleme werden damit gelöst und wessen bleiben unsichtbar?

3. Was fehlt?

Die Künstlerin und Forscherin Mimi Onuoha hat die „Library of Missing Datasets“ erstellt. Eine Sammlung von leeren Aktenordnern für Daten, die niemand erhebt. Fehlende Daten sind keine Lücke, sondern eine bewusste Entscheidung.

Wer in Machtpositionen sitzt, sieht bestimmte Probleme oft nicht, weil er sie nicht erlebt. Entwickler bauen KI für Menschen wie sie selbst. Und für diese Menschen funktioniert sie dann auch. Für alle anderen? Nicht unbedingt.

KI als politischer Raum, nicht als Werkzeug

Es geht nicht darum, KI als „gut“ oder „schlecht“ zu bewerten. Sondern darum, wessen KI das eigentlich ist.

Fragen zum 1. Prinzip "Examine Power"

1. Wer hat dieses System gebaut und wessen Erfahrungen fehlen darin?
2. Wer entscheidet, welche Probleme KI lösen soll und wessen Probleme kommen nicht vor?
3. Wer verrichtet die unsichtbare Arbeit dahinter und unter welchen Bedingungen?
4. Welche Schäden werden in Kauf genommen, weil sie nicht in den Gewinnmodellen auftauchen?
5. Verstärkt dieses System bestehende Ungleichheiten oder wirkt es ihnen entgegen?
6. Wessen Erfahrungen gelten hier als Fakten und wessen Daten fehlen ganz?

KI ist kein neutrales Werkzeug. Sie ist ein politischer Raum, in dem Machtverhältnisse verhandelt werden. Und genau deshalb können wir sie auch feministisch nutzen, indem wir diese Machtverhältnisse sichtbar machen und hinterfragen.

Dein Experiment für diese Woche

Probier es aus: Nutze ein KI-Tool bewusst und beobachte nicht, ob es „gut“ oder „schlecht“ funktioniert, sondern wessen Welt es spiegelt.

  • Welche Annahmen stecken hinter den Antworten?
  • Welche Perspektiven fehlen?
  • Wer profitiert von den Ergebnissen – und wer wird unsichtbar gemacht?


Am Ende dieser Podcast-Staffel gibt es ein Handout mit Fragen für deine feministische KI-Nutzung. Trage dich gerne in meinen Newsletter ein, um es zu erhalten.

Fazit: KI mit Haltung nutzen

KI ist nicht neutral. Aber das muss kein Nachteil sein. Es ist eine Chance, Machtverhältnisse zu erkennen und zu verändern.

Was wäre möglich, wenn wir aufhören, KI als neutrales Werkzeug zu sehen und anfangen, sie als politischen Raum zu verstehen?

Quellen

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Uneditiertes Transkript zur Folge (mit KI Tool entstanden)

Fearless Prefection, der Podcast über Kreativität, Inspiration und Empowerment, der dich ermutigt, einfach loszulegen, bevor du dich bereit fühlst. Hi, ich bin Barbara. In Staffel 9 gehe ich der Frage nach, ob man KI feministisch nutzen kann. Sieben Folgen, sieben Prinzipien des Data Feminism von Catherine D’Ignazio und Lauren Klein und eine Menge Fragen über Macht, Daten, Technologie und eben Feminismus. Wer hat KI gebaut bzw. die großen LLMs, die im Moment alle benutzen? Und für wen? In der ersten Folge geht es heute um das erste Data-Feminism-Prinzip, Examine Power. Wenn du die KI fragst, wie sieht eine Führungskraft aus oder wie sieht ein Mensch, der in der Pflege arbeitet, aus, sind die Bilder meistens recht eindeutig. Die Führungskraft männlich, weiß, 40 bis 50 und in der Pflege bestimmt eine Frau. KI ist nicht neutral, sie ist ein Spiegel der Daten. Dieser Spiegel wurde von jemandem aufgehängt. Das erste Prinzip von Data-Feminism geht darum, dass man untersucht, woher diese Macht kommt, weil Daten Spiegeln macht. Die erste Frage, die gestellt wird, ist, wer hat hier Macht? Daten sind keine objektive Wahrheit, sondern ein Abdruck, ein Ausdruck einer ungleichen Welt. Und Algorithmen ohne Machtfrage zementieren diesen Status Quo. Welche Daten man reingibt, ist das, wie das Tool dann funktioniert und was die Datenbasis ist. Patricia Hill Collins, eine schwarze feministische Soziologin, hat Macht auf vier Ebenen aufgeteilt. strukturell, also Gesetz und Institution, disziplinär, wie Gesetze im Alltag umgesetzt werden, hegemonial, was Kultur als normal definiert, wobei normal hier in Anführungsstrichen ist, und zwischenmenschlich, was du persönlich erlebst. Und KI, also vor allem die großen LLMs, operieren auf allen vier Ebenen gleichzeitig. Deshalb ist es wichtig, dass du dir die drei W-Fragen stellst. Wer baut das? Wer hat das gebaut? Bei den großen LLMs, KI, überwiegend weiße Männer aus dem globalen Norden, Frauen und andere Minderheiten sehr viel seltener. Die zweite Frage ist, wessen Ziele zählen? Datenerhebung kostet Geld und dient denen mit Geld. Das heißt, da spricht man auch gerne von den drei S, Science, Surveillance Und Selling? Wissenschaft, Überwachung und Verkauf.
Für welchen dieser Zwecke wurden die Daten erhoben? Und die dritte Frage ist, was fehlt? Mimi Onuar hat eine Library of Missing Datasets erstellt. Das sind leere Aktenordner für Daten, die niemand erhebt. Fehlen ist keine Lücke, es ist eine Entscheidung. Wer in Machtpositionen sitzt, sieht Probleme oft nicht, weil er sie nicht erlebt hat. Entwickler bauen die KI bzw. die großen LLMs für Menschen wie sie. Und da funktioniert sie. Für andere eben nicht. Ich habe dazu zwei Beispiele mitgebracht. Joy Buolamwini hat eine Gesichtserkennungs-KI ausprobiert und weil sie schwarz ist, wurde ihr Gesicht nicht erkannt. Bei weißen Kolleginnen war das kein Problem. Mit einer weißen Maske hat es auch bei ihr funktioniert. Grund dafür sind die Trainingsdaten. Die Trainingsdaten sind zu 84 Prozent weiße Gesichter und zu 78 Prozent männlich. Die, die es entwickelt haben, waren wahrscheinlich vor allem weiß und männlich und deshalb ist es ihnen beim Testen einfach nicht aufgefallen. Was bei fehlenden Daten auch passieren kann, ist wie zum Beispiel bei Serena Williams, die bei der Geburt ihrer Tochter fast gestorben ist, weil das medizinische Personal ihre Schmerzangaben ignoriert hat. In USA sterben schwarze Frauen tatsächlich häufiger bei Schwangerschaften, unabhängig von Bildung und Einkommen, weil die Daten fehlen. Wenn du dich jetzt fragst, ob dich das alles betrifft? Ja, es betrifft dich. Egal, ob du KI nutzt oder noch Zweifel hast, ob du es nutzen sollst. Ich möchte in dieser ganzen Staffel nicht die Frage stellen, ob KI gut oder schlecht ist. Ich möchte mehr die Frage stellen, wessen KI das eigentlich hier ist. Und für dieses erste Prinzip habe ich ein paar Fragen mitgebracht, die du dir bei deiner KI-Nutzung stellen kannst. Am Ende der Staffel wird es auch ein kleines Handout geben, das bekommt ihr dann über mein Newsletter. Also, die erste Frage für dein KI-Alltag. Wer hat dieses System gebaut und wessen Erfahrungen fehlen daran? Wer entscheidet, welche Probleme KI lösen soll und wessen Probleme kommen nicht vor? Wer verrichtet die unsichtbare Arbeit dahinter und unter welchen Bedingungen? Welche Schäden werden in Kauf genommen, weil sie nicht in den Gewinnmodellen auftauchen? Verstärkt dieses System bestehende Ungleichheiten oder wirkt es Ihnen entgegen? Wessen Erfahrungen gelten hier als Fakten und wessen Daten fehlen ganz? Probiert doch diese Woche mal ein KI-Tool bewusst aus und beobachte, nicht ob es gut oder schlecht ist, sondern wessen Welt spiegelt es. Nächste Woche geht es dann um das zweite Prinzip des Data Feminism, Challenge Power, also fordere die Macht heraus. Es geht darum, wo bei KI konkret etwas schief läuft und was du dagegen tun kannst. Als Abschlussgedanke für diese Woche, was wäre möglich, wenn du aufhörst, KI als neutrales Werkzeug zu sehen und anfängst sie als politischen Raum zu verstehen. Bis nächste Woche. Das war Fearless Prefection, dein Reminder, dass KI kein neutrales Werkzeug ist und du KI feministisch nutzen kannst, wenn du dir die richtigen Fragen stellst im Umgang mit KI und den LLM. Ich bin Barbara, Content- und KI-Mentorin für Female Empowerment, feministischen und spielerischen Umgang mit KI und Content Creation mit Haltung. Wenn du dich zu deiner feministischen Nutzung von KI austauschen möchtest, meine Links zu Instagram und LinkedIn findest du in den Shownotes. Und hab immer Stift und Papier dabei, denn deine nächste große Idee wartet schon darauf von dir festgehalten zu werden.

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Über die Autorin

Ich bin Barbara, Content + KI Mentorin und der kreative Kopf hinter der kleinsten Denkfabrik. Bei mir bekommst du alles rund um Content Creation, KI, Kreativität und Feminismus.
Ich zeige Frauen, wie sie KI als Sparringspartnerin nutzen, um sichtbar zu werden. Mein Ideenfließband steht nie wirklich still und mein analytisches Denken sorgt dafür, dass dabei auch die Struktur stimmt.
Ich habe Ideen für drei Leben, brauchst du eine?

Ein grafisches Bild im Stil eines Podcast-Covers oder Blog-Headers auf hellblauem Hintergrund mit gelben Strahlen. Oben mittig steht der Titel "Fearless Prefection" in einer weißen Comic-Sprechblase. Darunter befindet sich der Untertitel: "Der Podcast über Kreativität, Inspiration und Empowerment mit Barbara Krekeler". Auf der linken Seite ist ein Foto von Barbara Krekeler zu sehen, die Kopfhörer trägt und vor einem Mikrofon sitzt. Im unteren Bereich zeigt eine weiße Box den Text: "S09 Feministische KI + Data Feminism | #01 Wer hat Kl gebaut und für wen?". Darunter ist eine grafische Player-Leiste mit Steuerelementen (Herz, Zurück, Play, Vor, Plus) abgebildet. Ganz unten rechts ist das Logo der "++kleinsteDenkfabrik" platziert